Verfasst von Ursi Lysser
Die Geschichte der Enkaustik
Wachs eignet sich aufgrund seiner besonderen Eigenschaften hervorragend zur Konservierung unterschiedlichster Materialien. Bereits im antiken Griechenland nutzte man Pech und Wachs, um Schiffe gegen Witterungseinflüsse zu schützen. Durch das Einfärben des Wachses wurden sowohl Handels- als auch Kriegsschiffe zusätzlich dekoriert. In der klassischen Epoche (500–323 v. Chr.) war der Einsatz früher enkaustischer Verfahren bereits fest etabliert.
Es wird angenommen, dass die zunächst grobe, mit Teerbürsten auf Schiffsrümpfe aufgetragene Farbe in dieser Zeit weiterentwickelt und für die Malerei auf Holztafeln verfeinert wurde.
Die bekanntesten Beispiele dieser Technik sind die Mumienporträts aus der ägyptischen Fayum-Region, die zeitlich vom 1. Jahrhundert v. Chr. bis ins 1. Jahrhundert n. Chr. datiert werden. Nach der Eroberung Ägyptens durch Alexander den Großen ließen sich zahlreiche Griechen in diesem Gebiet nieder, später prägte auch der römische Einfluss die Region. Die Porträts wurden überwiegend auf sorgfältig vorbereitete Holztafeln gemalt, seltener direkt auf das Mumientuch. Für die Tafeln verwendete man hochwertige, importierte Harthölzer, die anschließend fein poliert wurdenEnkaustische Werke zeichnen sich durch das Zusammenspiel intensiver, leuchtender Farbtöne aus und besitzen eine bemerkenswerte Tiefe sowie eine nahezu impressionistische Wirkung.
Viele dieser Arbeiten sind bis heute erhalten geblieben und wirken farblich erstaunlich frisch und lebendig. Im 18. Jahrhundert erlebte die Enkaustik eine Wiederentdeckung, als Archäologen die verschütteten Städte Pompeji und Herculaneum freilegten und Antiquare begannen, antike Maltechniken erneut zu erforschen. Im 19. Jahrhundert wurde dieses Wissen weiter vertieft und systematisch untersucht.
Mit der Entwicklung tragbarer elektrischer Heizgeräte zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Enkaustik schließlich deutlich praktikabler. Zahlreiche Künstler begannen, mit dieser Technik zu experimentieren, und entwickelten dabei individuelle Ausdrucksformen.
Mehrere namhafte Kunstschaffende trugen dazu bei, der Enkaustik ein zeitgenössisches und interdisziplinäres Profil zu verleihen. Zunehmend greifen auch etablierte Künstler auf diese Materialien und Methoden zurück und fördern so deren wachsende Popularität.
In den 1940er-Jahren wurde Enkaustik erstmals kommerziell verfügbar. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erfuhr die Technik durch die Einführung eines breiten Farbspektrums, etwa von Herstellern wie R&F Paints und Enkaustikos, eine weitere Ausdehnung und neue Impulse.